Das Fischelner Urgestein, Thomas Brons, hat in der Fischelner Woche einen wunderbaren Bericht über unseren Verein verfasst. Lieber Thomas, die gesamte Olympia Familie dankt Dir von Herzen für diese Zeilen.
100 Jahre DJK Olympia Fischeln
Da gibt es einen Verein in Fischeln, der in diesem Jahr die 100. Wiederkehr seiner Gründung feiert. Dabei kann er, wenn man es genau nimmt, sogar zwei Gründungen beanspruchen, denn – man mag es glauben oder nicht – während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland war der Verein in der bis dahin und auch heute geltenden Form verboten bzw. wurde auf Anordnung des Reichssportführers in den Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Immerhin dauerte es bis ins Jahr 1956, bis die DJK Olympia Fischeln wieder in einen selbständigen, geregelten Vereinsbetrieb reformiert werden konnte. Was kann die braunen Hassprediger erwogen haben, eine Gemeinschaft zu assimilieren, deren Namensteil DJK – also deutsche Jugendkraft – dem Vokabular dieser Zeit gar nicht so fremd war? Umso unverständlicher, wenn man sich das Selbstverständnis der „Olympianer“ vor Augen führt, dass damals wie heute ihr Leitbild darstellt: „Unser Verein lebt vom familiären Miteinander. Hier wachsen Kinder in den Handballsport hinein, Jugendliche entwickeln Teamgeist und Verantwortung und Erwachsene bleiben durch die gemeinsame Leidenschaft verbunden. Familien stehen am Spielfeldrand, unterstützen, fiebern mit und werden Teil unserer Handballfamilie. Genau dieses Gefühl von Gemeinschaft trägt unseren Verein seit nunmehr einem ganzen Jahrhundert“. Und weiter: „Unser Vereinsleben endet nicht mit dem Schlusspfiff. Mannschaftsabende, Vereinsfeiern, Jugendturniere und gemeinschaftliche Aktionen zeigen, dass wir nicht nur eine Sportgemeinschaft sind, sondern eine Gemeinschaft von Menschen, die gerne Zeit miteinander verbringen, miteinander lachen und füreinander einstehen“. Was könnte oder konnte man daran suspekt oder verwerflich finden? Vermutlich war die Entstehung aus dem Jungmännerkreis der Pfarre St. Clemens den Nazis ein Dorn im Auge. Mit der Nähe zur Religiosität konnten sie nichts anfangen, auch und erst recht nicht mit einer katholisch geprägten Sportverbindung. Dies wird auch aus einer Chronik deutlich, die der inzwischen längst verstorbene Stadtoberamtmann Ludwig Blum, seinerzeit Leiter der örtlichen Bezirksverwaltung und honoriger Fischelner Bürger sowieso überdies aktives Gründungsmitglied der DJK Olympia 1926, im Jahr 1994 verfasste und auf die an dieser Stelle noch mehrfach zurückgegriffen wird. Vor 70 Jahren bereits mit an Bord: Heinz Königs, den man ohne Übertreibung als Vereinsikone bezeichnen darf. Heute ist er das letzte noch lebende Neu-Gründungsmitglied, nach wie vor sehr aktiv, früher als Spieler und Schiedsrichter, heute als „Eintreiber“ von Mitgliedsbeiträgen, die von ihm vielfach noch höchstpersönlich – und natürlich mit der für den Verein typischen persönlichen Note – erhoben werden. Heute ist Heinz Königs Ehrenvorsitzender und – natürlich – Ehrenmitglied des Vereins. Die letztgenannte Ehrung ist die höchste, die der Verein zu vergeben hat und wurde neben Heinz Königs auch dem im letzten Jahr viel zu früh verstorbenen Michael Pingel sowie Petra Schleeberger, Hans Baldeau, Heiner Platzbecker, Reinhard Frumm, Gregor Pingel und Thomas Hannen zuteil. Bis heute nachwirkender Effekt des Vereinsverbotes durch die Nazis: Unterlagen über die Anfänge der DJK Olympia 1926 gibt es nicht mehr. 1934 wurden alle vorhandenen Unterlagen, Papiere, Listen usw. vernichtet. Und doch lässt sich anhand vieler alter Fotos und persönlicher Erinnerungen von Zeitzeugen ein sehr umfassendes Bild der Gründungsjahre nachzeichnen. So weiß man heute, dass Anfang des Jahres 1926 aus der katholischen Jugend der Pfarre St. Clemens die Sportabteilung DJK Olympia entstand. Vorläufer waren eine Turnabteilung aus dem Jahr 1907, eine Wanderabteilung von 1912 und die Fußballabteilung Unitas aus dem Jahr 1920. Die Gründer der Sportabteilung DJK Olympia entstammten zu einem großen Teil diesen Vorläufern. Hauptbetätigungsfeld der neuen Abteilung waren Handball und Leichtathletik. Um nochmals Ludwig Blum zu zitieren: „Sie (die Gründerväter) machten die DJK-Grundsätze zu ihren eigenen Grundsätzen. In der DJK ist der Sport nicht Selbstzweck, sondern ein auf die vollkommene und ausgewogene Erziehung junger Menschen in seiner Gesamtheit von Leib und Seele ausgerichtetes Mittel. Durch Leibesertüchtigung erstrebt die DJK die Erziehung zum charakterfesten Christen. Grundidee war immer der Gedanke, jungen Menschen bei ihrem Streben an Körper und Seele gesund heranzuwachsen, zu helfen. (…) Sport in der DJK-Gemeinschaft trägt zur Entfaltung der Persönlichkeit in christlicher Gemeinschaft bei.“ Was heute eher antiquiert und aus der Zeit gefallen klingt, könnte andererseits zum Nachdenken anregen, ob die Schwerpunkte des heutigen Sports – abgesehen vom ausufernden Profitum – nicht doch noch einiges mit den Grundsätzen von damals verbunden sind oder sein sollten. Der Rückblick in die Historie (wieder in Anlehnung an Ludwig Blum) gibt so manchen Anlass zu einem Schmunzeln, erst recht, wenn man einige Protagonisten von damals und heute und Anekdoten von einst in die aktuellen Verhältnisse überträgt und dabei feststellt: der Verein hat das, was ihn im Innersten ausmacht, über die Zeiten hinübergerettet. Wer sich umschaut und umhört und wer in die Charaktere eintaucht, kommt immer wieder zu der Schlussfolgerung: typisch Olympia! So waren sie, so sind sie und so werden sie (hoffentlich) bleiben. O-Ton Ludwig Blum: „Unsere ersten Trainingsspiele fanden in Fichtenhain statt. Es war ein recht buntes Bild. Als Trikots hatten wir uns die grünen Wanderkittel von der Wanderabteilung geborgt. Man sah sogar lange weiße Hosen der Turnabteilung. Das dauerte nicht allzu lange, denn recht bald hatte sich jeder selbst das entsprechende Trikot angeschafft. Aber es herrschten strenge Sitten. Die Trikots mussten Ärmel haben, wenigstens kurze. Jeder 2. Sonntag war spielfrei für Kirchenbesuch und Versammlung. Der anschließende Frühschoppen fand dann bei Finck Sofie (später Wolf-Zens) statt. An jedem Dienstag tagte bei Finck Spielausschusssitzung, bei anschließendem Skat und gemütlichen Umtrunk wurde es meist recht spät.“ Soviel zu den „strengen Sitten“. Besonders amüsant eine Begebenheit aus den Anfängen des Handballs in Fischeln, damals noch in Form des Feldhandballs, der erst später dem schnelleren und dynamischeren Spiel in der Halle Platz machte. Die Geschichte trug sich zu bei einem Auswärtsspiel bei Treudeutsch Lank im Jahr 1926. „Mit den Lankern“, so der Chronist, „bestand eine herzliche Freundschaft. Der Lanker Torwart hatte sich sogar ein Fischelner Mädchen zur Frau erkoren. Und eben dieser Torwart hatte ein Malheur, das Olympia den Sieg brachte. Es stand kurz vor Schluss 5 : 5. Olympia startete zum letzten Angriff auf das Lanker Tor. Der Schuss kam und wurde zum siegbringenden Tor. Der Lanker Torwart musste mit bleichem Gesicht und einem Bauch voller Wut zuschauen. Denn genau in diesem Augenblick platzte der Gummi seiner Hose. Er konnte nichts machen, er musste seine Hose halten“. Noch heute ist dieses Ereignis sowohl bei den Lankern als auch bei den Fischelnern fest verankert. Schauplatz der Heimspiele war übrigens der alte Aschenplatz bei „Schlungs Kull“ an der Kimplerstraße, also dort, wo heute noch die beiden Baggerseen an den Sand und Kiesabbau erinnern. Übrigens reiste man zu Auswärtsspielen in der Regel mit dem Fahrrad an, nicht ohne vorher (!) und nachher ein paar Gläschen auf den Sieg zu leeren. Statt warmer Duschen und klimatisierter Kabinen betrieb man die Körperpflege in einer Zinkwanne mit kaltem Wasser. Damit nicht genug der Besonderheiten. Ein weiteres Standbein neben dem populären Handballsport war längere Zeit die Leichtathletik, verkörpert durch „Ironman“ Gregor Pingel, also einem Sprössling einer dem Verein besonders zugewandten Dynastie. Wer lange genug in den Startlisten des Boston-Marathons sucht, soll angeblich fündig werden. Sicher könnte man noch lange in Erinnerungen schwelgen, aber es soll noch Platz sein für einen Blick in das Innenleben des Vereins, wie er sich heute präsentiert. Augenfällig, wie viele der alten Vereinsprinzipien auch heute noch das Geschehen bestimmen. Ein Grundsatz, das man aufgrund der Geschichte des Vereins vermuten könnte, ist übrigens keiner: der Verein steht natürlich auch Nicht-Katholiken offen! Heute wird der Verein zukunftsorientiert von Vorstandsteams geleitet, in denen zwar jeweils eine Person „den Hut aufhat“, wo aber gleichberechtigt gearbeitet und die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird. „Teamleader“ sind Volker Greins, Christof Loch, Sebastian Küsters und Daniel Arden. Wer hier einen weiteren Namen vermisst, der über die Jahrzehnte zum Olympia-Vorstand gehörte wie der Dotter zum Ei: Ehrenmitglied Petra Schleeberger, einst Frauenwartin und später im Vergnügungsausschuss, verabschiedete sich im letzten Jahr nach 30 Jahren aus der Position der Geschäftsführerin. Unnötig zu erwähnen, welch riesige Fußspuren sie hinterlässt. Wie immer wieder von den Verantwortlichen betont wird: ein Verein ist kein Selbstläufer, Tore und Punkte kein alleiniger Maßstab für ein funktionierendes Miteinander; Harmonie, Kameradschaft und Geselligkeit entstehen nicht aus dem Nichts. Für die Präsentationsformen, mit denen sich die DJK Olympia Fischeln im Herzen der Menschen innerhalb und außerhalb der Vereinsgrenzen etablieren will, gibt es unzählige Beispiele: die Teilnahme an den Schützenumzügen und an Fischeln Open, die erstmals praktizierte Teilnahme am Kinderkarneval in Stahldorf, die zukünftig regelmäßig im Terminkalender stehen soll, mehrtägige Ausflüge in den Herbstferien, Fahrradtouren mit „legendären Abschlüssen“ (wie man augenzwinkernd einräumt), Feiern im altehrwürdigen Clemenskeller (auch da sollte man nie „nie wieder “ sagen) etc. Um dem Ganzen durch eine Identifikationsfigur auch einen Wiedererkennungseffekt zu verleihen, verfügt man seit 2020 auch über ein eigenes Maskottchen namens „Leo“. Über den, der drinsteckt, wird nichts verraten, außer dass er an anderer Stelle dieses Artikels schon einmal als Teamleader aufgetaucht ist. Auch und gerade für das Jubiläumsjahr 2026 sind weitere Aktionen geplant, um die Popularität des Vereins zu festigen und zu erhöhen: Jugendturniere, eine Baumpflanzung im Stadtpark, eine Reinigungsaktion nach dem Beispiel der Schützen, eine Weihnachtsfeier in Form eines Weihnachtsmarktes in der Halle Wimmersweg und vieles mehr. Darüber wird das Tagesgeschäft natürlich nicht vergessen. Auch im Amateursport gilt längst das Prinzip „ohne Moos nix los“. Auch der leidenschaftlichste und selbstloseste Verein trägt sich nicht aus Luft und Liebe. Neue Sponsoren und Ehrenamtler werden daher dringend und jederzeit gesucht. Die sportliche Situation erscheint vielversprechend. Der Verein zählt 298 Mitglieder, 3 Herren- und 2 Damenmannschaften – eine davon immerhin in der Verbandsliga – und dazu 8 Jugendteams treten im sportlichen Wettbewerb an. Gerade die Jüngsten betreffend beschreitet der Verein neue Wege und vermittelt den Handballsport zunächst als „Abenteuersport“, um die Kinder erst nach und nach mit dem Spielgerät Ball vertraut zu machen. Kontakt für Interessierte: jugend@djk-olympiafischeln.de. Es kann wohl kaum ein passenderes Resumée geben als den Aufruf, unter den die DJK Olympia Fischeln ihr diesjähriges Jubiläum gestellt hat: „Lasst uns dieses besondere Jubiläum gemeinsam feiern – mit Stolz für das Erreichte, mit Dankbarkeit für die vielen Menschen, die unseren Weg begleitet haben, und mit Vorfreude auf alles, was noch vor uns liegt. Auf die nächsten 100 Jahre voller Teamgeist, Freundschaft und Handballliebe“.